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Pressemitteilung

Besuch der rot-grünen Parteizentralen in Düsseldorf – für eine sinnvolle Lehrer*innenbildung und ein sofortiges Moratorium der Auslauffristen im Lehramt

Einige Lehramtsfachschaften aus NRW rufen gemeinsam mit dem bundesweiten Studierendenverband fzs am 2. Juli zu einem Besuch der Parteizentralen von SPD und Bündnis90/Die Grünen in Düsseldorf auf. Ihr Ziel ist es, ein Moratorium, d. h. ein Aussetzen der Fristen in den Lehramtsstudiengängen auf Staatsexamen und den Modellstudiengängen sowie eine grundlegende Reform des Lehrerausbildungsgesetzes zu erreichen.

In NRW sind über 13.000 Lehramtsstudierende davon betroffen, dass ihre Studiengänge wegen der Umstellung auf Bachelor/Master auslaufen und sie ihr Studium bis 2016 (Lehramt für Grund-, Haupt- und Realschulen) bzw. 2017 (alle anderen Lehrämter) beendet haben müssen. Ansonsten werden sie zwangsexmatrikuliert oder müssen in den Bachelor wechseln. Gegen diese Regelung ist seit Beginn des Jahres Protest und Widerspruch deutlich geworden: Das Landeslehramtsfachschaftentreffen NRW, der bundesweite Studierendenverband fzs und die GEW Studis fordern in einer Unterschriftenkampagne eine Abschaffung der Fristen, die Universität Köln und die Konferenz der Prorektoren für Studium und Lehre in NRW setzen sich für eine Verlängerung ein.

Nun wurde vom Schulministerium ein neuer Entwurf für das Lehrerausbildungsgesetz erarbeitet, darin ist auch die Fristenregelung verankert. Bisher ist keine Abschaffung oder Verlängerung der Fristen vorgesehen. Das Gesetz soll im Frühjahr 2016 verabschiedet werden – dann wären aber bereits Tatsachen geschaffen, zumal die Studierenden auf Grund-, Haupt- und Realschullehramt sich bereits bis Oktober 2015 zur letzten Prüfung angemeldet haben müssen. Daher fordern die Lehramtsfachschaften und der fzs ein Moratorium, d. h. ein Aussetzen der Auslauffristen.

Sandro Philippi vom bundesweiten Studierendenverband fzs begründet: „Das Lernen mit der Angst im Nacken, rausgeschmissen zu werden oder im Bachelor viele Prüfungen nachmachen zu müssen, muss sofort beendet werden. Die Landesregierung handelt absolut unverantwortlich: Sie lässt fahrlässig zu, dass die von der CDU/FDP-Regierung zu Zeiten der Kommerzialisierung der Bildung eingeführten Fristen verhindern, dass sich alle sinnvoll auf die Schule vorbereiten können. Schlimmstenfalls brechen Kommiliton*innen sogar ihr Studium ab und können ihr Ziel, junge Menschen in ihrer Entwicklung zu unterstützen, begraben. Daher muss die Landesregierung durch ein Moratorium noch vor Oktober Abhilfe schaffen.“

Jennifer Fürst von der Lehramtsfachschaft Bielefeld ergänzt: „Die Fristen widersprechen den Zielen der Landesverfassung: Diese fordert Bildung ,im Geiste der Menschlichkeit, der Demokratie und der Freiheit‘. Dies geht nicht, wenn Prüfungen schnellstmöglich abstudiert werden sollen, sondern nur, wenn Lehramtsstudierende die Möglichkeit haben, aus Interesse und mit Freude zu lernen, Inhalte zu hinterfragen, sich zu engagieren und sich zu mündigen Persönlichkeiten zu entwickeln. Das sind verbesserte Grundlagen, zur humanen Weiterentwicklung der Schulpraxis und des Bildungssystems beizutragen.“

Zudem kritisiert das Bündnis weitere Regelungen im Gesetzesentwurf: „Das Praxissemester bleibt unbezahlt, was die Qualität der Praxiserfahrungen und ihrer Reflexion dadurch einschränkt, dass zusätzlich zu einem Fulltimejob in der Schule die eigene Existenz finanziell gesichert werden muss. Es gibt keine Masterplatzgarantie, obwohl man nur mit einem Bachelorabschluss in keiner öffentlichen Schule als Lehrer*in arbeiten darf. Und auch die Ausrichtung des Pädagogikanteils müsste die kritische Reflexion der Bildung und ihrer Ziele mehr befördern als wesentlich Handwerkszeug zu vermitteln. Daher wollen wir mit den Politiker*innen von rot-grün über Erfordernisse einer Lehrer*innenbildung auf Höhe der Zeit diskutieren“, begründet Tim Wübbels vom AStA der Universität Duisburg-Essen.

 

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